Bodenreform 1945


Nach dem 2. Weltkrieg wurde in der Sowjetischen Besatzungszone eine Bodenreform unter der Losung "Junkerland in Bauernhand" durchgeführt. Inhalt war folgender: Alle Betriebe mit mehr als 100 ha Betriebsfläche (einschließlich Inventar) und Betriebe unter 100 ha, deren Eigentümer als aktive Vertreter der NSDAP bzw. als Kriegsschuldige oder -verbrecher eingestuft wurden, sollten entschädigungslos enteignet werden. Die früheren Eigent&uum;mer verloren oftmals nicht nur ihr Land, sondern auch sämtliches sonstiges Eigentum (Wohnhäser, Geld, Mobiliar, Kleidung). Oftmals wurden die Enteigneten aus ihren Heimatkreisen ausgewiesen und in Zwangslager gebracht.
Die enteigenten Flächen wurden überwigend verteilt an: ehemalige Landarbeiter, landarme Bauern, Umsiedler, Flüchtlinge. In Thüringen wurden ca. 10% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche enteignet vom Großgrundbesitz. Dies war noch relativ wenig - in Mecklenburg waren es 46%.
Auch Gerterode blieb davon nicht verschont - das ganze Gutsland (190 ha Land und 192 ha Wald) wurde aufgeteilt. Auch der Pächter der Gerteröder Domäne Friedrich Dietzel verlässt den Ort.


Vorsitzender der Bodenreform-Kommission in Gerterode war Wilhelm Wüstemann. Weitere Beisitzer waren unter anderem Karl Koch und Karl Kurz.


In Gerterode gab es zu der Zeit etwa 30 bäerliche Wirtschaften, die mehr oder weniger Land besaßen. Das waren unter anderem: August Brehm, Paul & Erwin Dietrich, Albin Dietrich, Adolf Ebenrett, Erich Ebenrett, Gottlieb Ernst, Erwin Gunkel, Albert Gunkel, Walter Gunkel, Thilo & Ottomar Grüling, Heinz Hartung, Walter Hartung, Arno Hühne, Güther Kurz, Walter Kurz, Thilo Leibling, Berthold Liefeith, Marie Roth, Richard Schäfer, Albin Schäfer, August Schäfer, Erich Schäfer, Erwin Schäfer, Oskar Schäfer, Hermann Schneider, Kurt Stange, Walter Wenzel, Willy Wisotzky, Karl Wisotzky, ALbert Lauterbach.


Bauer Meinhard Schäfer


Auch mehrere Neubauern konnten durch Erhalt von Land und Vieh Landwirtschaften aufbauen und betreiben. Auf dem Siedlerhof (ehemalige Domäne) erhalten 7 Neubauern Land: Karl Kurz, Albin Wenzel, Fritz Brand, Otto Müller, Heinrich Behrens, Adolf Ebenrett und Paul Lengert aus Schlesien.
Weiterhin bekamen viele kleine Leute Land und Wald zugeteilt. Dadurch konnten sie sich eine Ziege, ein paar Hühner und ein Schwein halten und bauen.

Die Felder wurden bisher und auch zumeist noch danach mit Kühen bearbeitet. Während die Männer im Krieg oder Gefangenschaft waren, packten die Frauen kräftig zu.


Bäuerin Marie Wisotzky

Viele Neubauern erhielten nur Zwergparzellen, auf denen auf Grund der Größe nicht wirtschaftlich gearbeitet werden konnte. Dies führte schließlich zum Zusammenschluß der LPGn. Bis 1960 gab es in der DDR fast keine Einzelbauern mehr.



LPG


weitere Informationen auch unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Landwirtschaftliche_Produktionsgenossenschaft

Auf der 2. Parteikonferenz des SED in Ost-Berlin vom 9.-12. Juli 1952 wurden Maßnahmen zur Bildung von Genossenschaften beschlossen. Mitglied konnten sowohl Bauern mit eigener Wirtschaft als auch Landarbeiter und andere Bürger werden.

Auf die Bauern wurde erheblicher Druck ausgeübt - sie wurden in die neu gegründeten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) nach sowjetischen Vorbild gedrängt. Zahlreiche Bauern fliehen bis zum Mauerbau 1961 aus der DDR, um nicht Mitglied einer LPG werden zu müssen. Ihre Betriebe werden zunächst von staatlichen örtlichen Landwirtschaftsbetrieben (ÖLB) verwaltet und später in die LPG integriert.

Auch in Gerterode wird 1952 die LPG "Karl Marx" mit 12 Bauern gegründet. Erster Vorsitzender war Walter Wenzel, gefolgt von Heinz Hartung und Walter Kurz. Es gibt kaum Landmaschinen und Traktoren. Unterstützung kommt von der MAS (Maschinen-Ausleihstationen), der späteren MTS (Maschinen-Traktoren-Stationen), unter Leitung von Hubert Lutze mit ersten Traktoren aus der Sowjetunion. Die erste Stalinez-Raupe wurde von Rudi Hesse gefahren.

Anfangs bilden sich im Ort zwei LPGn, die untereinander konkurrieren. Auf der einen Seite: besser situierte Bauern; auf der anderen Seite: weniger gut gestellte mit größeren Schwierigkeiten bei Sollabgaben und Freien Spitzen (Überschus, der an den Staat verkauft wurde). Von oben wurde dann der Zusammenschluß der beiden LPGn befohlen.

Die MAS-Außenstelle im Ort wird dem Bereich Dingelstädt unterstellt.

1960 wird am Struthberg eine etwa 25 ha große Weide und im Hüttengrund 10 ha zur Erweiterung der Milchviehwirtschaft eingefürt.



Der Kreisbaubetrieb baut 1964 für die LPG einen deckenlastigen Kuhstall für 136 Milchkühe. Weiterhin wird quer zum Kuhstall eine große Feldscheune gebaut. 1967 wird diese um einen Rübenkeller verlängert.



1965 erwirbt die LPG das Haus Hühne und baut es zum Lehrlingswohnheim aus. Hier werden zunächst auch Lehrlinge ausgebildet. 1968 wird die Lehrlingsausbildung in der LPG eingestellt und nach Beinrode verlegt. Der Kreis übernimmt daraufhin das Lehrlingswohnheim und richtet ein Alterheim ein, welches ab 1970 bezogen wird.



1969 wird ein 2. Kuhstall parallel zum bestehenden gebaut. Am 01.01.1970 schließen sich die LPG "Geschwister Scholl" Vollenborn und die LPG "Karl Marx" Gerterode zusammen. Der Name "Karl Marx" bleibt bestehen. Das Vieh aus Vollenborn wird in Gerterode untergestellt. Der öffentliche Feldweg nach Vollenborn wird als Asphaltstraße für 300.000 Mark von der LPG Gerterode ausgebaut.

Am 01.01.1974 wird die KAP (Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion) gebildet. Es wird in Pflanzen- und Tierproduktion unterteilt.



1976 schließen sich die LPG "Karl Marx" Gerterode und die LPG "Goldene Ähre" Deuna zur LPG "Karl Marx" Deuna zusammen. Die Arbeit wird folgendermaßen aufgeteilt: Rüdigershagen: Schweineproduktion, Deuna & Gerterode: Rinder- und Milchproduktion, Gerterode: Schafhaltung. Vorsitzender der LPG wird Gerhard Schlichting - dieser war bereits seit 1967 Vorsitzender der LPG Deuna.



1976 bekommt die KAP neue Technik: Traktoren wie ZT 300, MTS 50 und 52, Aktivist, Famulus, Ferguson werden großflächig eingesetzt und erleichtern die Arbeit. Es kommen weiterhin Geräteträger (RS 09) und die Mähdrescher (T 175, E 512) zum Einsatz.

Weiterhin wird in diesem Jahr der bisherige Schafstall zum Saatkartoffellager umgebaut. Die angrenzende Maschinenscheune wird Schafstall.


Schafmeister Karl Hesse mit Herde


1991 - nach Öffung der Grenze - wird die LPG "Karl Marx" Deuna in die Agrar GmbH "Am Dün" umgewandelt. Mit Gerteröder Landbesitzern wurden Pachtverträge abgeschlossen. In Gerterode gibt es nach der Grenzöffnung (im Gegensatz zu anderen Orten) keine Bauern, die sich wieder selbstständig machen.

   
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